Werk im Fokus

Museo del
Prado 2,
Madrid 2005

Museo del Prado 2, Madrid 2005
Chromogener Abzug
140,0 x 178,7 cm


Thomas Struths Fotografie aus einer Serie von Museumsbildern zeigt einen Ausstellungsraum im weltweit berühmten Prado-Museum in Madrid. In diesem Raum sind Menschen sowohl in realer als auch in künstlerischer Gestalt zu sehen. Real sind zwei im Bildvordergrund stehende, nach rechts ins Profil gewendete junge Frauen, die ihren Blick vermutlich auf ein nicht sichtbares Gemälde im Museumsraum richten. Es sind unbekannte, doch erkennbar aus Ostasien stammende Touristinnen in westlich geprägter Freizeitkleidung, die bei sich tragen, was sie im Verlauf eines Stadt- und Museumsbesuches für notwendig halten. Die etwas weiter hinten und in der Mittelachse des Bildes stehende Person hält einen durch die Ausstellung führenden Audio-Guide in der Hand, ein für den zeitgenössischen Museumsbesucher nahezu unentbehrlich gewordenes Gerät. Es ist kaum sichtbar, markiert aber exakt den Linienschnittpunkt von Raumecke und Wandtäfelung. Es markiert zugleich die Ebene maximaler Bildschärfe und macht daher die Inschrift auf dem technischen Gerät lesbar: Museo Nacional del Prado.

Die hinter den beiden Frauen sichtbaren Gemälde des spanischen Malers Diego Velázquez (1599-1660) zeigen, jeweils in ganzer Gestalt und damit in höchster Würdeform, links den griechischen Fabeldichter Äsop (vermutlich 6. Jhd. v. Chr.), dessen wirkliches Antlitz nicht überliefert ist, und rechts den spanischen König Philip IV. (1605-1665) aus dem Hause Habsburg. Ihm diente Velázquez als Hofmaler. Garderobe und Attribute veranschaulichen den sozialen und geistigen Status beider Personen. Der greisenhaft melancholische Dichter ist mit verschlissenem Mantel und Buch ausgestattet, der junge König mit edler Jagdkleidung und Gewehr. Auf diese beiden Gemälde, auf diese Raumecke mit Bewegungsmelder hat Struth im Voraus die Kamera gerichtet. Zu ihnen kommen, dem Zufall geschuldet, die zwei jungen, von der Kamera keinerlei Notiz nehmenden Frauen hinzu. Sie sind Anlass für die Betätigung des Auslösers im richtigen Moment.

Struths Fotografie ermöglicht einen anthropologischen Vergleich durch die simultane Betrachtung von Menschen weit auseinanderliegender Orte und Zeiten unter dem Aspekt der kulturellen Differenz und der globalen Mobilität. Die Besucher und Besucherinnen des Museums in Vaduz mögen sich stellvertretend in den Touristinnen wiedererkennen. Vielleicht wissen sie nicht, wer Äsop und Philip IV. sind, können aber dennoch eine menschliche Brücke zu ihnen schlagen, da beide die Blicke all jener erwidern, die in ihre grundverschiedenen Gesichter schauen.

Uwe Wieczorek

Ausstellung

Hilti Art Foundation
im Kunstmuseum Liechtenstein
Städtle 32, Postfach 370
9490 Vaduz, Liechtenstein
Google Map

T +423 235 03 00
F +423 235 03 29
mail@kunstmuseum.li
www.kunstmuseum.li

Öffnungszeiten

Di-So: 10-17 Uhr
Do: 10-20 Uhr
Feiertage
Führungen


Eintrittspreise

Kinder/Jugendliche bis
16 Jahre: gratis
Regulär: CHF 15.–
Ermässigt: CHF 10.–

Sammlung/Leihanfragen

Hilti Art Foundation
Uwe Wieczorek, Kurator
Feldkircherstrasse 100
9494 Schaan
Fürstentum Liechtenstein
uwe.wieczorek@hilti.com
info@hiltiartfoundation.li



Medien

media@hiltiartfoundation.li
Pressedossier

Weitere Besucherinformationen
finden Sie auf kunstmuseum.li

Herausgeber
Hilti Art Foundation

Copyright Inhalte
© Hilti Art Foundation
Copyright Abbildungen
© Succession Alberto Giacometti / 2016, ProLitteris, Zurich
© 2016, ProLitteris, Zurich für alle anderen Werke. Alle Urheberrechte bleiben vorbehalten. Sämtliche Reproduktionen sowie jegliche andere Nutzungen ohne Genehmigung durch die ProLitteris - mit Ausnahme des individuellen und privaten Abrufens der Werke - sind verboten.

Konzept und Projektleitung
Brigitte Lampert und Hanna Züllig

Corporate Identity
Brigitte Lampert

Webdesign
Brigitte Lampert und Hanna Züllig

Webentwicklung
Hanna Züllig und Dominik Stucky

Texte
Dr. Uwe Wieczorek
Morger + Dettli Architekten AG


Fotografie
Roland Bauer
Barbara Bühler
Anne Gabriel-Jürgens
Valentin Jeck
Heinz Preute 
Roland Tännler

Video
Sebastian Frommelt

Übersetzung
Julia Thorson